klout und die Sache mit der Online-Reputation

Letzte Woche, habe ich auf dem Webmontag in Frankfurt etwas über klout erzählt und hatte leider nicht genug Zeit, auf alle Aspekte einzugehen, die ich an diesem Thema so interessant finde.

Kurz bevor ich mit meinem Vortrag dran war, sagte ein Freund zu mir: „Ich finde es super, dass du hier über etwas sprichst, aber muss es denn unbedingt klout sein?“ Genau diese Aussage, bestätigte mich nur darin, dass es unbedingt dieses Thema sein musste. Die Diskussion um diese Plattform poppt seit Wochen immer wieder um mich herum auf. Und das keinesfalls nur an Orten, wo man sich sonst nicht weiter mit neuen Plattformen beschäftigt. klout schafft es, als Plattform eine große Verunsicherung, selbst unter den Social Nerds, hervorzurufen. So richtig wollen das viele aber nicht zugeben und Fragen werden häufig mehr als vorsichtig formuliert. Eben darum, wollte ich gerne ein paar Basics, getunkt in eigene Beobachtungen und verziert mit einem Hauch meiner Meinung, präsentieren. Die Präsentation kann man hier noch einmal nachlesen und hier gibt es sogar das komplette Video meines Vortrags anzuschauen.

Präsentation für den Webmontag.

Meine Präsentation für den Webmontag Frankfurt

Eine sehr kurze und prägnante Zusammenfassung der Themen Score, Moments, Topics, K+ und Perks, liefert klout selbst an dieser Stelle. Das klout ansonsten diverse Haken hat, wie z.B. das Fehlen von Xing, als mit wichtigstes deutsches Networking-Portal und das man sich entscheiden muss, ob man sein Facebook-Profil oder eine eigene Fanpage angibt und somit nie der komplette eigene Auftritt im Social Web erfasst werden kann, möchte ich hier an dieser Stelle nicht nochmal besonders vertiefen. Auch die Möglichkeiten der Manipulation für einen höheren Score, wurden schon zu genüge in anderen Artikeln, wie z.B. diesem, erläutert. An dieser Stelle, möchte ich meine Gedanken zum Thema gerne noch etwas weiter schweifen lassen.

Was mich an dem Thema mit am meisten interessiert, ist das Verwenden eines bestimmten Begriffes, der die ganze Sache eigentlich erst so kompliziert gemacht hat. Der Begriff der Reputation. Ich habe ihn selbst in meiner Präsentation verwendet und hatte dann leider keine Zeit wirklich darauf einzugehen. Auch wenn man sich nur ganz kurz ein Bild zur Plattform machen möchte und nur auf Wikipedia nachschaut, findet man folgende Formulierung gleich im obersten Absatz: „[…] Algorithmen, nach denen Klout die Reputation einer Person erstellt, […]“. Und damit beginnen dann auch schon die Missverständnisse.

Klout selber, spricht immer nur von der Messung des Einflusses der Leute: „Klout’s mission is to empower every person by unlocking their influence.“ Aber der gemeinte Einfluss wird nirgends näher definiert.

Zur Definition des sozialen Einfluss findet man bei Stroebe (hier ist eine schöne Zusammenfassung) folgendes:

„Eine Veränderung der Urteile, Meinungen und Einstellungen einer Person infolge der Konfrontation mit den Auffassungen anderer Menschen.“

Alles was klout uns aber maximal zeigen kann ist, wieviel Konfrontation, an eben diesen Meinungen und Urteilen, wir für andere bedeuten. Es ist eine pure Quantitätsmessung, die uns diese Plattform bietet und dabei ist mit der Geheimhaltung des Algorithmus, nicht einmal bekannt, wie diese Messung von statten läuft.

Was ich aber lese ist nicht, dass die Leute bei der Nutzung von klout Angst haben, nicht genug andere Menschen zu erreichen. Sie haben Angst, als inkompetent eingestuft zu werden. Sie lassen die Frage aufkommen, ob klout ihnen sagt, dass ihre Meinung nichts wert ist. Genau daher kommen Aussagen wie: „Ach, wenn es nach klout geht, müsste ich längst arbeitslos sein, da ich ja eh keine Ahnung von meinem Job habe.“ Mit solchen Feststellungen haben wir die selbsterwähnten Kompetenzen von klout aber schon längst überschritten und versehentlich den Schritt zur Einstufung unserer Reputation gemacht. Wir sind bei einer angeblichen Qualitätsbewertung unserer Person und unseres Wissens gelandet. Das ist in der online Welt, der sozialen Netzwerke, dann tatsächlich schnell eine gefährliche Verirrung, da Reputation genau dann eine Rolle spielt, wenn man in der Realität noch keine eigenen Erfahrungen mit der Person machen konnte. Nach Charles Fombrun, setzt eine hohe Reputation Verlässlichkeit, Vertrauens- und Glaubwürdigkeit voraus. Das sind drei Faktoren, die eine Plattform wie klout, nicht mal ansatzweise messen kann. Wenn man unsere Reputation weiterhin als unsere wichtigste immaterielle Ressource, wie bei R. Hall, betrachtet, kann klout uns mit seinem falsch verstandenen Score tatsächlich um einiges an zugesprochener Kompetenz bringen. Der Reputationsbegriff, wird hier übrigens sehr verständlich und noch etwas genauer erklärt.

Der klout Score ist also so etwas, wie der Kontoauszug unseres sozialen Kapitals. Allerdings nur von einem speziell angelegten Sparkonto. Es ist nicht in der Lage unser Gesamtkapital wiederzuspiegeln. Und es schlüsselt auch garantiert niemandem auf, wie wir dieses Kapital erlangt haben, oder ob es uns zusteht.

Man darf also ruhig neugierig sein und einen Blick auf seinen klout-Score werfen. Man muss nur wissen, wo man ihn einordnen muss und das ist momentan vor allem die Schublade der „spannenden Spielereien“, die man im kommenden Jahr einfach aufmerksam verfolgen sollte, ohne sich selbst über sie zu definieren, oder definieren zu lassen.

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