Hilfe, ich bin ein Speaker?! – What to expect when you’re…speaking.

Gestern war es endlich so weit: Ich habe meinen ersten kleinen Vortrag gehalten. Es waren nur knapp 15 Minuten, die ich allerdings vor ungefähr 200 Leuten auf dem Webmontag in Frankfurt überleben musste. Als ich aufstand und die ersten Schritte Richtung Bühne machte, dachte ich nur „Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass ich mich auf diese ganze Sache eingelassen habe?!“

Skeptische Blicke, über Dinge , die ich sagte, machten meine schier unerträgliche Aufregung nicht besser. Es war so heiß da oben auf der Bühne. Ich stolperte über meine eigenen Worte, ärgerte mich über zu viele „mmmmhs“ und „ääääääähs“ und erreichte einfach nicht die Stufe der Selbstsicherheit, die ich von kleineren Moderationen, Sessions oder Kurzvorträgen in kleinerer Runde gewohnt war. Ich hörte meine eigene Stimme zittern und hielt mich verzweifelt an meinen sorgfältig geschriebenen Karteikarten fest.

Aber während all diese Dinge geschahen, passierte gleichzeitig noch etwas ganz anderes in meinem Kopf. Eine Stimme schaltete sich ein, die mich anfangs nur  leise beruhigen wollte und dann mit jedem Schritt Richtung Bühne lauter wurde: „Einen Fuß vor den anderen! Nicht über die Stufen stolpern! Gut, nicht hinfallen ist die halbe Miete. Schau in die Menge, das sind auch nur Menschen. ATMEN! Und jetzt reden. Sag was! Aufregung ist okay, sei einfach ehrlich. Die verstehen das! REDE WEITER VERDAMMT NOCHMAL! Okay, so ist gut. Reden und atmen – immer weiter.“ Und dann war es auch schon geschafft.

Wieder auf meinem Platz war ich erst erleichtert und dann auch ganz schnell todmüde. Eine Spur Restaufregung blieb, denn ich wusste ja, dass das Ganze aufgezeichnet wurde. Aber nachdem alle Vorträge rum waren, gab es recht schnell viele Leute, die liebe Worte und auch Lob fanden für das, was ich da oben erzählt hatte und wie ich es präsentierte. Ich habe bestimmt keinen Vortrag gehalten, der einen wissenschaftlichen Durchbruch offenbarte. Im Gegenteil. Ich hatte über etwas gesprochen, was der Großteil im Saal vermutlich ziemlich gut kannte. Aber ich habe versucht, meinen Blickwinkel auf die ganze Angelegenheit zu schildern.

Heute, einen Tag danach, bin ich sehr froh es duchgezogen zu haben. Es war ein Anfang. Wenn es jetzt irgendwo darum geht, dass zu wenig Frauen sich trauen Vorträge zu halten, kann ich immerhin sagen: „Ich hab es schonmal getan und ich werde es wieder tun, wenn sich die Gelegenheit bietet.“

Ich werde wieder nervös sein, aber das Wissen haben, dass das Publikum eher weniger dazu tendiert mich auszulachen oder von der Bühne zu buhen. Ich habe mir das Video angeschaut und dabei so einiges entdeckt, was ich natürlich gar nicht mochte. Meine Stimme klingt fürchterlich ungewohnt, ich habe winzige Augen und was zur Hölle passiert da eigentlich mit meinen Mundwinkeln, wenn ich schlucke?!

Und dann passierte auch direkt das, wovor sich vielleicht besonders Frauen fürchten, wenn sie in dieser Art an die Öffentlichkeit treten. Es gab einen füchterlich gemeinen Kommentar zu meinem Aussehen. Von jemandem, der mir zwar folgte, den ich aber überhaupt nicht kannte, mit dem ich noch nie ein geschriebenes Wort gewechselt hatte. Das war nicht nett und es hat ganz schön gezwiebelt. Ich starrte so lange auf den Kommentar, bis der nächste, aufmunternde darunter gesetzt wurde. Dann schrieb ich eine Freundin an, um mir Luft zu machen. Und dann – löschte ich den Kommentar und blockierte diesen gemeinen Mann. Ein kurzes Telefonat mit Mama und eine Zigarettenschachtel später, stehe ich auch schon fast wieder drüber – fast.

Solche Kommentare können natürlich immer wieder auftauchen. Andererseits, kann mir das auch mit jedem anderen Foto passieren, das von mir durchs Netz geistert. Man muss wohl einfach lernen damit umzugehen und dafür braucht man eben die richtige Portion Selbstbewusstsein. Gottseidank besitze ich die und dazu auch noch eine Menge Freunde, die mich ermuntern weiter zumachen und mich nicht unterkriegen zu lassen.

Und genau das werde ich tun. Neue Themen suchen. Sprechen üben. Vielleicht ein Sprecher-Coaching mitmachen. Es war eine große Überwindung, aber es hat sich für mich ganz persönlich gelohnt. Ich habe Blut geleckt und vielleicht kann ich mich ja in diesem Jahr über noch ein weiteres Vortragsvideo von mir beömmeln. Die Zeit wird’s zeigen.

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18 Antworten zu Hilfe, ich bin ein Speaker?! – What to expect when you’re…speaking.

  1. virtualmono schreibt:

    So ziemlich jeder ist erschrocken oder aber zumindest überrascht, wie anders die eigene Stimme klingt, wenn man sie auf einer Aufnahme hört – das ist vollkommen normal, weil der sogenannte Körperschall eben wegfällt – aber keine Panik, alle anderen hören Dich schon immer so, und es ist für sie vollkommen normal.

    Ansonsten – weiter so, mir hat es gefallen, da ich mich mit klout vorher noch überhaupt nicht beschäftigt hatte (davon gehört schon, aber eben eher so unter „braucht kein Mensch“ abgehakt) war es sogar etwas neues für mich – wobei deren anscheinende Übergewichtung von Facebook mich in meinem „braucht kein Mensch“ allerdings noch bestätigt, denn FB ist einfach grauselig geworden (der Anfang vom Ende war schon da, als sie die ehemals brauchbare, übersichtliche Chatliste verschlimmbessert und auf keinerlei Kritik von Userseite gehört haben… und über die Timeline schweigen wir mal lieber).

  2. Marifle schreibt:

    Soviel Mut, Optimismus und Bereitschaft zur Reflexion hast du gezeigt: Toll! Wenn man dann auch noch die fiesen Kommentare übersteht, kann man in die Politik gehen.

  3. goethalss schreibt:

    Sehr schön geschrieben!
    Ich bin echt froh, dass ich mit meinen Ängsten und Gedanken nicht alleine war (selbst die danach beim Videoschauen… Ich finde mich seitdem absolut schrecklich!).
    Und wer auch immer dieser Vollidiot mit dem Kommentar war, du warst da oben, hast das Dingen gerockt und das soll er dir erstmal nachmachen.

  4. Katja schreibt:

    Ach, wie schön und inspirierend. Ein toller Artikel. Nur eines fehlt: Der Link zum Video. 😉

    Nein, im Ernst: Ich würde ja jetzt sagen, ich bin sooooooo stolz auf Dich … wenn das nicht so seltsam klingt. Ich ziehe meinen Hut vor Dir. 🙂

  5. Michaela schreibt:

    Ein toller und sehr authentischer Artikel, danke dafür! Mein voller Respekt für Deinen Sprung ins kalte Wasser ist Dir ohnehin sicher! 🙂

  6. pirreom schreibt:

    Glückwunsch! Da wär ich wohl mal besser gekommen. 🙂

  7. Tom schreibt:

    Ps: WIE du hast einen Kommentar gelöscht?!?!?

    😉

  8. Karsten Sauer schreibt:

    Guude, der Talk kam für mich eher völlig routiniert rüber. Rhetorisch war da nix zu meckern. Und ich meckere eigentlich im Stillen immer. 😉

  9. Anne Kraemer schreibt:

    Klingt als ob du alles richtig gemacht hast! Respekt vor deinem Mut!

  10. Ute schreibt:

    Deinen Vortrag über klout hab ich ja von Zuhause aus über den Stream verfolgt. Auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, hab ich die Aufregung gesehen, aber ganz ehrlich: So what? Das hat dein Thema nicht schlechter gemacht oder die Botschaft runtergezogen. Irgendwann muss jeder mal anfangen. Ich hielt letzten Herbst meinen ersten Vortrag vor größerem und vor allem fremden Publikum, und war genauso aufgeregt und hatte zu viel „ähms“. Was mir aber zu Beginn und immer wieder zwischendurch geholfen hat, war der regelmäßige Austausch mit dem Publikum. Also vor dem Vortrag mit Personen sprechen, die man noch nicht kennt. Und mittendrin banale Fragen stellen wie „Wer kennt das?“ und sich so die Zustimmung (per Handzeichen) aus dem Publikum holen. Und dann halt immer wieder mal auf die Bühne gehen, Gelegenheiten wahrnehmen (ist auch mein Plan). Ein unter Aufregung gehaltener Vortrag ist besser als kein Vortrag.

  11. Bianca Gade schreibt:

    Liebe Julia,
    auch von mir ein „Hut ab“ für diesen Sprung ins kalte Wasser! Und ich hoffe, Du wirst weiter machen. Es macht nämlich richtig, richtig Spaß, wenn man die Menge begeistert. Irgendwann entdeckst Du Deinen eigenen Stil, kannst passend die Stimme heben und senken und Denkpausen einlegen. Bis dahin: Halte noch mehr Vorträge! Möglichkeiten gibt es immer, ich übte hauptsächlich auf BarCamps, doch auch ein Training kann Dir viel bringen. Übrigens gibt es auch schone Blogs und Bücher darüber, wie man gut präsentiert. Finde Gefallen daran und Du rockst weiter die Bude.
    So, und nun schau ich mir das Video an 🙂

  12. alexschnapper schreibt:

    Kann mich den ganzen anderen positiven Meinungen nur anschließen. Ich höre lieber jemanden interessierter zu, der/die ein wenig aufgeregt ist als einem Schwafler mit perfekten Konzept. Daher weiter so und hey, hör nicht auf irgendwelche negativen Kommentare von Personen die dir das Wasser nicht reichen können. Weiter so 🙂

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