#klotweet – Meine Timeline, Deine Timeline

„Twitter, das ist doch das, wo eh jeder nur davon erzählt ob er gerade auf dem Klo sitzt, oder nicht?“

Twitter ist wohl der eine Dienst im Social Web, den die Menschen nicht so richtig zu fassen bekommen. Sie können einfach nicht nachvollziehen, wie sich jemand dafür interessieren kann, was sie zu sagen haben.

Neulinge tun sich wohl so gut wie immer schwer mit ihrem allerersten Tweet. Der muss ja schließlich was besonderes sein. Muss er? Oder ist es nicht doch leichter, seine Twitterkarriere mit einem #klotweet zu starten? In diese unbekannte Welt mit einem Augenzwinkern einzusteigen. Vielleicht auch die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben – sich selbst gegenüber.

Ja, es stimmt. Es gibt den besagten #klotweet. In der gleichen Reihe findet man z. B. auch den #biertweet. Und ab und an, sehe ich einen von ihnen durch meine Timeline geistern. Aber das passiert wirklich nur von Zeit zu Zeit. Ich habe mir meine Timeline selbst zusammengestellt und ich weiß genau, wen ich mir da reinhole und wen nicht. Bzw. fliegen Accounts auch ganz schnell wieder raus, wenn ich deren Content als nicht relevant für mich einstufe.

Im Twitter Universum gibt es massig Spaßaccounts. Ob Dir der Kölner Dom zu jeder vollen Stunde ein dementsprechendes DONG, DONG durchtwittert, du der Bronx Zoo Cobra bei ihrem Ausbruch durch New York folgst oder du den Gedanken von Maria, Josef und selbst dem Esel in der Vorweihnachtszeit auf die Spur kommen willst – all das ist möglich.

Natürlich gibt es auch die Gruppe von Leuten auf Twitter, die es nutzen um einfach nur mit ihrem Freundeskreis zu kommunizieren. Und es gibt die, die auf Twitter ihren Freundeskreis neu definieren.

Als ich auf Twitter anfing, was auch gerade erst knappe 1,5 Jahre her ist, war dort allerdings so gut wie niemand, den ich kannte. Ich folgte kaum jemandem („Ich kenne die ja alle gar nicht!“) und auch mir folgte eigentlich niemand („Die kennen mich nicht, wer soll mir schon folgen?“). Ich twitterte also dann und wann einfach mal ins Nichts und schaute was passierte. Und das war eigentlich auch mehr nichts. Irgendwann fingen ein paar Menschen an mir zu folgen und verschwanden wieder. Ich twitterte privates Zeug, abwechselnd mit News und meiner Meinung rund um das Social Web. Dieser Mix schien keine gute Wahl zu sein, da die einen mich entfolgten wenn ich was privates sagte und die anderen wenn ich über die Arbeit redete. So ergab es sich die ersten Monate, dass ich Follower sammelte, wenn ich nichts machte (Bots) und sie verlor wenn ich etwas schrieb. Das war nicht unbedingt erbaulich, aber so leicht lasse ich mich dann doch nicht unterkriegen.

Als ich anfing auf die Republica und später auch auf diverse Barcamps zu gehen, lernte ich immer mehr Leute kennen, die auch auf Twitter unterwegs waren und mir nun folgten. Da man sich ja auch persönlich getroffen hat und vielleicht ansatzweise weiß, wie der andere tickt, ist es auch nicht mehr so leicht dem anderen zu entfolgen, da man doch einen doofen Tweet mehr verzeiht, wenn man sich kennt.

Ich folge inzwischen also über 300 Leuten und daraus ergibt sich eine sehr bunte Mischung bei mir. Anfangs folgte ich den witzigen und wortgewandten Accounts, dann fing ich an mir ein paar News dazu zu holen und inzwischen ist die dominanteste Gruppe wohl die, die, der Leute, die sich über Social austauschen und die ich auch schon mal persönlich getroffen habe.

Klotweets stören mich also dann und wann nicht wirklich, vor allem, weil sie im Falle eines Falles meist von einem Account kommen, wo ganz klar ist, dass dieser Hashtag nur so vor Ironie strotzt.

Was mich dagegen in letzter Zeit immer häufiger stört, sind Aufforderungen andere Tweets zu faven oder ihnen über externe Programme Auszeichnungen zu verleihen. Mich interessieren keine Retweets von Favstar, dass ein Tweet über 50 mal geliked wurde. Wenn jemand auf favstar gepickt oder „pokalisiert“ wird, ist mir das auch echt egal. Und ich behaupte, dass die Accounts, die sich dafür mit einer Mention bedanken, eher im Sinn haben für diese Mention öfter gepickt zu werden. Es bringt bestimmt einige Follower von einem großen Account erwähnt zu werden. Diese Accounts schmeiße ich inzwischen raus, was ich bei einigen sehr traurig finde, aber vielleicht entdecken die ja irgendwann, dass Follower sie auch ohne Belohnungen gut finden.

Ich erinnere mich, wie vor einiger Zeit ein Twitterer mir folgte, den ich auf einem Symposium zum Thema Marketing kennen gelernt hatte. Er schaute sich meinen Account an, wem ich folgte und wer mir folgte und meinte dann: „Dein Twitter funktioniert so ganz anders als meins.“

Es gibt also nicht dieses eine Twitter, wo sich alle treffen um Klogeschichten auszutauschen. Twitter ist, was du selbst daraus machst. Du kannst dir deine Umgebung selbst zusammenstellen und bist niemandem verpflichtet, ihn interessant finden zu müssen. Und hey, wo sonst wird einem das schon ermöglicht?

Wie bereits gesagt, haben viele Leute meiner Meinung nach, das Problem zu begreifen, dass es im Web immer irgendwo andere Menschen gibt, die sie und ihre Meinung interessant finden. Vielleicht geht vielen auch zu schnell die Puste aus, bei dem Versuch sich in diesem Twitter zurecht zu finden. Das ist vor allem schade, da man die Faszination von Twitter nicht richtig erklären kann. Man muss mitmachen um es zu verstehen. Um die Essenz begreifen zu können, die diese kleine Welt ausmacht.

Wenn jemand also noch unschlüssig ist, ob sich dieses Twitter wirklich lohnt, zögert nicht, sondern legt einen Account an und twittert was das Zeug hält. Ihr werdet feststellen, es lohnt sich.

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2 Antworten zu #klotweet – Meine Timeline, Deine Timeline

  1. Dagger schreibt:

    Schöner Text, schlüssig und gut.

    Und wieder ein neues Wort gelernt. ‚Pokalisiert‘. Danke 🙂

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