Rache in Zeiten des Internets – Don’t mess with a social nerd

In der 5. Klasse war ein Junge verliebt in mich. Er war mutig und fragte mich, ob ich ihn denn nicht auch mögen würde. Ich sagte nein.

Daraufhin begann eine nervtötende Zeit, in der ständig unser Telefon klingelte. Wenn man abhob, wurde entweder aufgelegt oder es meldete sich „die schwarze Hand“. Der Spuk hatte ein Ende, als ich bei ihm zu Hause anrief und die Mutter bat, ihm das ganze doch zu untersagen.

Heute äußern sich verletzte Gefühle jedoch meist ganz anders. Das liegt wohl zum einen am fortgeschrittenen Alter meinerseits, zum anderen aber vor allem an diesem Internet.

Es gibt Seiten, auf denen man sich gemeine Bilder von Exen angucken kann. Ob es einfach nur unvorteilhafte Bilder sind oder gar Nacktbilder, ist vermutlich vom Zornesgrad abhängig, den der Verlassene verspürt. Es gibt auch Seiten, wo man den anderen mit Wohnort markieren kann und eine Bewertung über den Menschen schreiben kann.

Doch diese Racheaktionen, sind meiner Meinung nach alle übertrieben und fürchterlich gemein. Denn die Seite, die der andere uns in einer Beziehung zeigt, ist ja nicht die einzige, die er hat. Menschen sind in verschiedenen Beziehungen, manchmal auch verschiedene Persönlichkeiten. Es ist nie schön zu sehen, dass der andere uns nicht seine beste Seite gezeigt hat. Das wir diese Seite nicht wert waren. Aber ist es deswegen der andere nun wert unsere schlechteste Seite an ihm auszulassen? Ich denke nicht.

Allerdings finde ich, gibt es ausgesprochen gewitzte Aktionen, die man dem Ex noch hinterherschicken kann. Aktionen, die durchaus sagen „ Du hast mich verletzt, aber ich kann damit leben. Dein Verlust!“ und dem ganzen ein Augenzwinkern mitgeben.

Ein schönes Beispiel für mich war der Song „So what“ von Pink, in dem sie sich über ihre zerbrochene Ehe auslässt und ihrem Ex die Botschaft vermittelt „So what, I’m still a rockstar, I’m having more fun…“. Besonders sympathisch fand ich, dass besagter Ex daraufhin sogar in ihrem Musikvideo mitspielte. Das hat für mich Klasse, vermittelt die gemeinten Gefühle und lässt eventuell sogar beide Parteien mit einem Lächeln für den anderen antreten. In diesem speziellen Fall haben, die beiden ja sogar wieder zueinander gefunden.

Nun bin ich weder eine krass rachsüchtige Kuh, noch ein grandioser Songwriter. Die Aktion jedoch, dass mein Ex unsere Beziehung beendete, in dem er sich knapp 5 Wochen einfach nicht meldete, wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Über 600km sind einem allerdings in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden.

Was mich an der ganzen Sache am meisten störte war, dass er einfach so mit der Aktion davon kommen würde. Eventuell dachten seine Freunde sogar, er hätte das ganze „regulär“ beendet. Es war mir nun also wichtig, dass sein Umfeld mitbekam, wie feige er war.

Als Social Web Agenturtussi, kenne ich kein gezieltereres Medium als Facebook Ads um ganz bestimmte Menschen auf ein ganz bestimmtes Thema aufmerksam zu machen.

Ich bastelte mir also eine eigene Ad zusammen. Wie die Zusammensetzung von Bild und Text gewählt ist, sieht natürlich jeder ein bisschen anders. Ich wollte einen flotten Spruch, der eventuell ein bisschen neugierig macht. Das Bild würde hoffentlich für den Rest sorgen, zumindest bei den Leuten, die mich schon mal gesehen hatten. Ausgerichtet war sie auf seine Stadt und auf alle Interessen, von denen ich wusste, dass er und sein Umfeld diese vermutlich angegeben haben

Dazu schrieb ich meinen ersten Blogbeitrag, in dem ich die Geschichte der Trennung schilderte und wie es mir dabei ging. Ich beleidigte ihn nicht, ich nannte seinen Namen nicht, denn ich wusste, dass die wichtigen Leute schon wissen würden wer gemeint ist. Die Ad sollte auf eben diesen Beitrag linken.

Am Donnerstagmorgen vor ein paar Wochen sollte das ganze Paket live gehen. Ich habe mich fast schon geärgert, als er sich Mittwochabend meldete um endlich Schluss zu machen, denn daraufhin konnte ich diese Kombination natürlich nicht mehr online stellen.

Jetzt, wo sich bei mir wieder langsam alles normalisiert, ist mir die Ad allerdings zu schade, sie einfach in meinem Datenchaos verschwinden zu lassen.

Außerdem interessiert mich, ob jemand eine ähnliche Aktion schon mal auf Facebook verfolgt hat und ob das ein totales NoGo darstellt oder doch einige andere auch darüber schmunzeln können.

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2 Antworten zu Rache in Zeiten des Internets – Don’t mess with a social nerd

  1. Pingback: Sind wir eigentlich noch ganz echt « carpe diem-Club – Blog

  2. Getrennt schreibt:

    .
    Ha, du hast Humor.
    Da würde ich mich gerne öfter von dir trennen wollen. 🙂
    Und als Blogbeitrag ist es hier gut untergebracht.

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